Inkontinenz bei MS

Körperliche Symptome mit enormer psychischer Belastung

Blasenstörungen und Stuhlinkontinenz sind mögliche Symptome einer Multiplen Sklerose. Alle Störungen sind für MS-Betroffene enorm belastend, denn neben der körperlichen Beeinträchtigung bringen diese Symptome auch eine enorme psychische Belastung mit sich. Eine sachgerechte Therapie kann die Störungen allerdings bedeutend lindern. Viele Menschen mit MS sind von Blasenfunktionsstörungen betroffen. In seltenen Fällen sind MS-Betroffene auch von Stuhlinkontinenz betroffen.

Ungewollt oder unvollständig

Menschen mit MS können Probleme bei der Entleerung der Harnblase haben, weil entweder die Blasenmuskulatur selbst, deren Schliessmuskelsystem oder das Zusammenspiel zwischen beiden nicht richtig funktionieren. Daraus ergeben sich zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Problemen:

  1. ungewollter oder unbemerkter Harnabgang, auch Inkontinenz (von lat. continere = halten) genannt, wenn der Blasenschliessmuskel nicht mehr richtig funktioniert, oder
  2. unvollständige Leerung der Blase bzw. Blasenentleerungsstörung, wenn der Blasenmuskel selbst aufgrund einer Störung den Urin nicht mehr richtig aus der Blase austreiben kann (Restharnbildung).

Unterschiedliche Formen der Harninkontinenz

Mediziner unterscheiden je nach Lage der Läsion drei verschiedene Formen von Blasenstörungen:

  • hyperaktive Blase
    Häufig kommt es zu einer Überaktivität der Blasenmuskulatur: Sie beginnt schon bei geringen Urinmengen in der Blase, sich zusammenzuziehen. Dies äussert sich in starkem Harndrang bei noch nicht gefüllter Blase, der so stark sein kann, dass es zu einem ungewollten Urinabgang kommt (imperativer Harndrang). Deshalb nennt man diese Form einer Blasenfunktionsstörung auch Drang- oder (englisch) Urge-Inkontinenz.

  • komplexgestörte Blase
    Bei einer komplexgestörten Blase ist das Zusammenspiel der beteiligten Muskelgruppen für Blasenentleerung und Blasenverschluss gestört. Bei dieser Form der Harninkontinenz kommt es daher auch häufig zu Restharnbildung. Diese stellt ein grosses Risiko für Harnwegsinfekte dar und bleibt bei MS-Betroffenen wegen gleichzeitiger Sensibilitätsstörung oft unbemerkt.

  • inaktive Blase
    Bei der dritten Form der Harninkontinenz ist eine Schwäche bis hin zur Lähmung des Schliessmuskelsystems der Blase die Ursache für die Inkontinenz.

Einfache Diagnostik bei Inkontinenz

Um die unterschiedlichen Formen der Inkontinenz, die auch kombiniert vorliegen können, zu unterscheiden, sind weitergehende, aber in der Regel ohne grösseren Aufwand durchzuführende neurologische und urologische Spezialuntersuchungen (z. B. Ultraschalluntersuchung, Blasendruckmessung, Elektromyogramm der Beckenbodenmuskulatur) erforderlich. Eine sorgfältige Diagnostik ist unerlässlich, da nur so das komplizierte, bei Störungen fehlerhafte Zusammenspiel von Nerven und Muskeln von Blase und Beckenboden erfasst werden kann. Dies wiederum bildet dann die Grundlage therapeutischer Massnahmen.

Therapie der Inkontinenz unabdingbar

Diagnostik und Therapie insbesondere von Blasenfunktionsstörungen sind deshalb so wichtig, weil es sonst unbemerkt zu Entzündungen der Blase kommen kann. Diese greifen dann leicht auf die Nieren über (aufsteigende Infektionen) und führen schlimmstenfalls zu Blutvergiftung (Urosepsis) und Nierenversagen. Sowohl für die Harn- als auch für die Darminkontinenz stehen medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung, die je nach Form der Harninkontinenz bzw. Schwere der Stuhlinkontinenz von Ihrem Arzt verschrieben werden.

Seelische Belastung durch Inkontinenz

Für die Betroffenen ist die Inkontinenz enorm belastend. Viele können ihren Alltag nicht mehr richtig leben, da sie ständig Angst vor "unangenehmen Überraschungen" haben. Daher ziehen sie sich zurück, können vereinsamen oder in Depressionen verfallen. Zudem entstehen oft Probleme in der Partnerschaft und dem Freundeskreis.

Tipps für den Alltag mit der Inkontinenz

Neben einer medikamentösen Therapie haben wir weitere Tipps bei Harninkontinenz:

  • Trinken Sie täglich 1,5 bis 2 Liter.
  • Meiden Sie alkoholische und koffeinhaltige Getränke. Sie reizen die Blase und regen den Darm an.
  • In der Wohnung bzw. dem Haus sollte der Weg zwischen Bett und Toilette kurz sein.
  • Tragen Sie Kleidung mit Klettverschlüssen und Gummizügen.
  • Einlagen, Slips, Kondom- und Silikonurinale, Scheidentampons, Ring- oder Würfelpessare, Penisringe oder Harnröhrenstöpsel, Anal-Tampons sind geeignete Inkontinenzhilfen.
  • Erlernen Sie spezielle Übungen für die Beckenbodenspannung. So können Sie die Muskeln im Anal- und Beckenbereich gezielt stärken.


Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, der eine geeignete Therapie für Inkontinenz bei MS verschreiben kann.

1 2 3 4 5
Sie sind nicht eingeloggt. Sie müssen sich anmelden um diesen Artikel zu bewerten.