MS und Sexualität

Offene Gespräche helfen

Schätzungen zufolge betreffen sexuelle Störungen bis zu 90 Prozent der Menschen mit MS. Sexuelle Störungen können verschiedene Ursachen haben. Sie können direkt auf neurologische Veränderungen oder Multiple-Sklerose-typische körperliche und geistige Beeinträchtigungen zurückgehen. Dabei können MS-bedingte Veränderungen der Körperwahrnehmung eine grosse Rolle spielen und die Einstellung zum eigenen Körper beeinflussen. Aber auch seelische und soziale Schwierigkeiten können sexuelle Störungen bei MS verursachen.

Sexuelle Störungen bei Frauen mit MS

Bei Frauen mit Multiple Sklerose kann aufgrund einer Minderung der Schleimbildung während des Geschlechtsverkehrs eine zu trockene Scheide Missempfindungen oder gar Schmerzen auslösen. Mit Gleitcremes lässt sich jedoch gut Abhilfe schaffen. Schwieriger zu behandeln sind Sensibilitätsstörungen im Bereich der Geschlechtsorgane, die entweder eine schmerzhafte Überempfindlichkeit von Vagina und Klitoris zur Folge haben oder durch die Verminderung der Empfindungsfähigkeit zu Orgasmusproblemen oder -unfähigkeit führen.

Sexuelle Störungen bei Männern mit MS

Männer mit Multiple Sklerose haben häufig Probleme, eine Erektion zu bekommen oder sie zu erhalten. Auch Störungen des normalen Samenergusses können für eine zusätzliche Beunruhigung im Sexualleben von Männern mit MS sorgen. Daneben kommen – ebenso wie bei Frauen – Sensibilitätsstörungen vor, die zu Missempfindungen oder sogar Schmerzen im Bereich des Gliedes sowie zur Minderung der Empfindungs- und Orgasmusfähigkeit führen können.

Multiple Sklerose und symptombedingte sexuelle Störungen

Ermüdbarkeit (Fatigue) als eines der häufigsten Symptome der Multiplen Sklerose beeinflusst oft auch das Sexualleben von Menschen mit MS und ihren Partnern. Oft wird dies jedoch zunächst nicht unbedingt als eine der Ursachen für Veränderungen in diesem für viele Menschen sehr wichtigen Lebensbereich erkannt. Symptombedingte sexuelle Störungen kommen gleichermassen bei Männern wie Frauen mit Multipler Sklerose vor. Neben den medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten der Fatigue gibt es Erkenntnisprozesse, die vom Paar selbst oder von unterstützenden Fachleuten angestossen werden können, um mit den veränderten Lebensbedingungen besser umgehen zu können.

Körperliche Beeinträchtigungen als Hindernis

Weitere, eher seelische Gründe für Störungen des Sexlebens, sind ebenfalls nicht geschlechtsspezifisch. Sie hängen zum Teil eng mit den körperlichen Beeinträchtigungen durch die Multiple Sklerose zusammen: Wenn sich jemand seiner gewohnten Körperfunktionen nicht mehr gewiss ist oder körperliche Beschwerden hat, die auch das Intimleben beeinflussen, kann dies zu weitreichender Unsicherheit und zu Entwertungserlebnissen führen. Dies allein reicht oft schon aus, um sexuelle Störungen der geschilderten Art auszulösen.

Sexuelle Störungen bei MS sind zu bewältigen!

Für alle Fälle, in denen sexuelle Störungen auftreten, gilt: Wer darüber spricht, hat den wichtigsten Schritt zur Besserung der Probleme bereits getan! Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner über Ängste, Unsicherheiten, Wünsche und Erwartungen. Die Gespräche und die dadurch eingeleiteten Umdenkprozesse beider Partner sind wohl der beste Weg, um mit möglichen Beeinträchtigungen des Sexlebens durch die Multiple Sklerose auf beiden Seiten und einer Veränderung der Beziehung an sich umgehen zu können. Sie sollten sich hierbei nicht scheuen, die Unterstützung von erfahrenen Fachleuten zu suchen. Denn ein aktives Sexleben ist auch für Menschen mit Multiple Sklerose möglich und führt zur Steigerung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens.

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