Barrierefreies Wohnen mit Multipler Sklerose

Worauf sollte man bei der Wohnung als MS-Betroffener achten?

Die richtige Wohnsituation ist für das Wohlbefinden von Menschen sehr wichtig, erst recht wenn sie mit Multipler Sklerose leben. Achten Sie bei der Wohnungseinrichtung auf Barrierefreiheit, um Ihren Alltag zu erleichtern. Bei einem Wohnungswechsel oder Hausbau sollten Sie eventuelle zukünftige Folgeerscheinungen bedenken, welche die MS mit sich bringen kann. Eine höher gelegene Etagenwohnung sollte zum Beispiel idealerweise einen Fahrstuhl besitzen, während eine Maisonette-Wohnung bei Multiple Sklerose nicht unbedingt zweckmässig ist, da die Etagen meist durch Treppen miteinander verbunden sind.

Barrierefrei wohnen heisst auch Stolperfallen vermeiden

Viele Menschen mit MS leiden an Gangunsicherheiten. Deshalb sollten "Stolperfallen", wie etwa Teppichkanten oder auf dem Boden liegende Kabel vermieden werden. Stühle, Sessel und Couch sollten in der Sitzhöhe nicht zu tief sein, da sonst das Aufstehen erschwert ist.

Schon bei der Wohnungsplanung sollten MS-Betroffene ausreichend Rangierplatz einplanen. Oft ist der Rangierraum für Rollstuhlfahrer zu knapp bemessen, da die Räumlichkeiten im Normalfall vollkommen ausreichend zu sein scheinen. Ein offener Grundriss ist nicht nur für Rollstuhlfahrer geeignet, sondern vermindert auch Stolper- und Anstossfallen. Zudem sollten alle Bereiche stufenlos erreichbar und Türen sowie Durchgänge breit genug sein. Halten Sie Schwellen so gering wie möglich und bedenken Sie, dass einseitige weniger hinderlich sind als zweiseitige Schwellen. Bei Stiegen sollte auf die entsprechende Ausbildung des Stufenprofils geachtet und die Position der Handläufe genau geplant werden, da diese einen Schutz vor Stürzen bieten. Treppenlift, Hebebühne oder ein vereinfachter Behindertenaufzug sind ausgezeichnete Aufstiegshilfen – vor allem, wenn die Multiple Sklerose die Mobilität stark einschränkt.

Die optimale Wohnungsausstattung für Menschen mit Multiple Sklerose

Barrierefrei wohnen bedeutet für Menschen mit Multiple Sklerose nicht nur das Vermeiden von Stufen, Absätzen und schlecht verlegten Leitungen, sondern auch das Einplanen gut passierbarer Eingangsbereiche. Als Türen eignen sich vor allem Schiebetüren, Hebe-Schiebetüren oder Drehflügeltüren, bei denen weniger Manövrieren notwendig ist.

In der Garderobe ist für Menschen mit MS ein Kleiderlift sehr nützlich, um Jacken und Mäntel besser zu erreichen. Achten Sie hier vor allem auch auf gut erreichbare Sitzgelegenheiten, da es für MS-Betroffene schnell zu einem schwierigen Balance-Akt werden kann, die Schuhe im Stehen an- und auszuziehen. Apropos Balance-Akt: Menschen mit Multiple Sklerose sollten auf Nummer sicher gehen und Bodenbeläge aus Fliesen oder Laminat meiden – die Rutschgefahr wird leicht unterschätzt. Stattdessen sollten sie in ihrer Wohnung auf rutschfeste Beläge wie Teppichböden oder stumpfes Parket achten.

Entscheiden Sie sich trotz Multipler Sklerose für eine Etagenwohnung, sollte auf jeden Fall ein Fahrstuhl vorhanden sein. Eine Rampe oder ein Treppenlift neben der Treppe sind ebenfalls sinnvoll. Die Rampe sollte max. 6 % Steigung haben. Achten Sie ausserdem auf eine niedrige Ausführung der Türschwelle (< 20 mm) sowie auf eine grosse Öffnungsweite der Eingangstür.

Besonders praktisch ist ein elektronisches Entriegelungssystem, da es den Schlüssel ersetzt. Der Briefkasten sollte auf bequemer Höhe angebracht werden. Mit Hilfe einer Ablage von innen kann die eingeworfene Post bequem heruntergenommen werden.

Höhenverstellbare Bett-Lattenroste oder feste, nicht zu niedrige Betten erleichtern das Aufstehen für MS-Betroffene. Ein Funktionsnachttisch mit verschiedenen Schaltern, die bequem vom Bett aus erreicht werden können (z.B. für Licht an/aus, Bett hoch/runter, Hilferufen, Fenster auf/zu), ist ebenso ratsam wie ein Kleiderschrank mit Auszugböden.

Das optimale Badezimmer für MS-Betroffene

Im Bad sollten Menschen mit Multiple Sklerose auf Folgendes achten:

  • ebenerdige Dusche
  • abgesenkte Badewanne
  • Haltegriffe in Dusche oder Badewanne
  • evtl. ein Sitzhocker für die Dusche
  • unterfahrbarer und/oder höhenverstellbarer Waschtisch
  • rutschfester Teppich
  • rutschfeste Einlagen in Dusche und Badewanne

Bei Umzug und Einrichtung sollten Sie diese Dinge beachten, damit es sich in den neuen vier Wänden so barrierefrei wie möglich wohnen lässt. Denn Sie wissen es am besten: Schon kleine Vorkehrungen können den Alltag mit Multiple Sklerose deutlich erleichtern und die Lebensqualität verbessern.

 

Hier geht's zur Website der Pro Infirmis zum Thema hindernisfreies Bauen.

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